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Langlaufski für Jugendliche im Dorf Esso, Zentral-Kamtschatka, 2003 

Der Zustand einer Gesellschaft lässt sich an der allgemeinen Verfassung ihrer Jugend ablesen. Wenn man unter diesem Blickwinkel das Dorf Esso betrachtet, so ist klar: Hier müsste vieles getan werden.

Die jungen Leute, v.a. in der indigenen Bevölkerung, haben schwer mit Alkohol zu tun, Drogen sind auf dem Vormarsch, Selbstmorde häufen sich. Katharina Gernet sprach mit Erwachsenen und Jugendlichen, um herauszufinden, wie es dazukommt. Festzustehen scheint: Zum einen langweilen sich die Jugendlichen im Dorf, so lange sie noch zur Schule gehen und daneben freie Zeit haben. Zum anderen gibt es v.a. für die ewenischen Jugendlichen keine attraktiven Zukunftsperspektiven, nachdem ihre Schulzeit abgeschlossen ist. Vor allem was den ersteren Punkt anbelangt - die jungen Leute wissen in ihrer Freizeit nichts mit sich anzufangen -, hörte Katharina immer wieder: "Früher, zu Sowjetzeiten waren die Dinge besser. Es gab Kurse und Arbeitskreise, um die Jugend z.B. an Sport, Handwerk, Kunst und Kulturarbeit heranzuführen. Diese wurden auch gut und gern besucht. Das Angebot fällt heute vollkommen weg." 

Katharina erfuhr allerdings von einer Initiative, die schon vor einigen Jahren ins Leben gerufen wurde und in privater Organisation stattfindet: Der Winter dauert auf Kamtschatka mindestens sechs Monate. In dieser Zeit kann man im Bystrinski-Bezirk wunderbar Langlaufski-Sport treiben. Einige Erwachsene haben einen Klub gegründet, um diesen Sport in Esso zu etablieren. Ein zum Sportlehrer ausgebildeter Ewene, Oleg Aleksejewitsch Kotschetkow, trainiert auf ehrenamtlicher Basis den Nachwuchs. Er geht dabei hochengagiert vor, spornt die junge Mannschaft zur Teilnahme an Regionalwettkämpfen an. Das macht den Jugendlichen Spaß. Sie kommen bei der Gelegenheit einmal aus ihrem Dorf heraus und stellen fest, dass sie mit Ausdauer und Willen etwas erreichen können. Kaum einer unter den jungen Ewenen kann sich freilich die nötige Ausrüstung leisten. So lungern die Jugendlichen doch meist im Dorf herum.

Wir beschlossen, Mittel für die Anschaffung mehrerer Ausrüstungen (Ski mit Bindungen und Schuhen) zur Verfügung zu stellen, die jenen Jugendlichen die Teilnahme an dem Sport ermöglichen sollen, deren Eltern kein Geld für solche Dinge haben. Auf diese Weise, so hoffen wir, können wenigstens ein paar junge Ewenen "von der Straße" weggeholt werden. Wir danken allen unseren UnterstützerInnen, die dieses Projekt mit Spenden gefördert haben!



Oleg Aleksejewitsch Kotschetkow ist enthusiastischer Langläufer und teilt seine Leidenschaft gern jungen Leuten mit.